Dienstag, 19.10.2010 | Autor: Peter Bachmann

Winterbaustelle birgt Gefahren

News: Die Zahl der Winterbaustellen nimmt aus Kostengründen zu. Doch das ist nicht ohne Risiko. Denn die große Gefahr beim Bauen im Winter ist die Schimmelbildung.

Wie Bausachverständiger Rüdiger Mattis vom Verband Privater Bauherren (BPB) zu Winterbaustellen erläutert, irren sich viele Handwerker und Bauherren, was die Wintertauglichkeit der Baustoffe betrifft. Moderne Baumaterialien seien zwar bis zu plus fünf Grad einsatzfähig. Das Limit markiere aber die Mindesttemperatur. Trotzdem könne es nachts frieren. Und für Minusgrade bei Nacht seien "die meisten Baustoffe nicht geeignet."

Feuchtigkeit kann bei Winterbaustelle problematisch sein

Zu Problemen kann im Winter auch Feuchtigkeit führen, die beim Bauen entsteht. Estrich aufzubringen oder Innenwände zu verputzen, ist oft mit viel Nässe verbunden. Diese trocknen im Winter um so schlechter. Die meisten Häuser, so Rüdiger Mattis vom VPB, hätten aber in dieser Bauphase noch keine funktionierende Heizungsanlage. Dies erfordere neben ständigem Lüften auch den Einsatz elektrischer Heizgeräte. "Weil das relativ teuer ist, wird oft aufs Heizen verzichtet", behauptet Mattis. Die Gefahr: Der Rohbau kann im Winter nicht richtig austrocknen.

Offene Winterbaustelle ist gefährdet

Heikel wird es, wenn der Rohbau nicht mit Fenstern und Dach versehen wurde, bevor der Winter kommt. Wasser könne in die Steine eindringen, so dass sie bei Frost platzten, erläutert VPB-Vorstandsmitglied Mattis. Das habe zur Folge, dass die Steine voll Wasser liefen und im Frühjahr erst wieder mühsam getrocknet werden müssten. Denn, so Mattis: "Auf feuchten Mauern hält kein Putz".

Temperaturunterschiede im Rohbau können kosten

Zu weitreichenden Folgen kann es kommen, wenn in den Untergeschossen einer Winterbaustelle verputzt und geheizt wird, während die Luke zum unausgebauten und ungedämmten Dachgeschoss sperrangelweit offen steht. Dies sei nämlich "bauphysikalisch fatal", erläutert Mattis. Denn die Feuchtigkeit aus dem unteren Bereich ziehe wie in einem Kamin nach oben und schlage sich dort an den kühlen Dachsparren nieder. Schimmelbefall und der eventuelle Austausch von Dachbalken seien die Folge.

meineimmobilie-Tipp:
Nicht immer ist es möglich, die Bauarbeiten im Winter ruhen zu lassen. Achten Sie deshalb auf folgende Punkte:

  • Beheizen und belüften Sie den Rohbau im Winter gut. Die entstehenden Stromkosten sollten dabei in Kauf genommen werden.
  • Schützen Sie Mauerwerk und Haus vor Regen und Frost, wenn vor Einbruch des Winters kein Dach aufgesetzt und keine Fenster eingebaut werden konnten. Mauerwerkskronen sollten sorgfältig mit Folie abgeklebt werden, um sie vor Frost und Feuchtigkeitseinbruch zu schützen.
  • Schließen Sie vor dem Ausbau Treppenlöcher zum unausgebauten Dach. So sind kühle und beheizte Bereiche getrennt, und die Feuchtigkeit aus Putz und Estrich kann nicht ins Dach ziehen. Sie sollte dann über die Fenster entlüftet werden.
  • Schließen Sie nach Möglichkeit alle Öffnungen. Durchbrüche und Treppenausschnitte sollten Sie abdichten, damit kein Wasser in Haus und Keller eindringt und dort eventuellen Nährboden für Schimmel bildet.

Kommentare (0)

Kommentieren, ergänzen Sie jetzt den Artikel oder geben Sie dem Autor Feedback. Einfach anmelden und losschreiben.