Montag, 13.02.2017 | Autor: Jörg Stroisch, Foto: © sowanna - Fotolia.com

Schon bei Baubeginn barrierefrei denken und planen

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Worum geht´s
  • Barrierefreiheit
  • Neubau
  • Planung

Wer schon beim Bau an die Zukunft denkt, spart letztendlich Geld – und selbst dann, wenn es die ferne Zukunft ist. Barrierefreiheit ist nicht nur ein Stichwort für Altenwohnungen, sondern macht auch junges Wohnen komfortabler.

Häuser sind teuer. Umso wichtiger ist es, sie nachhaltig zu planen, damit sie lange bewohnbar bleiben. "Vorausschauende Bauherren denken deshalb auch von Anfang an barrierearm", empfiehlt Dipl.-Ing. Irmtraud Swoboda, Sachverständige des Verbands Privater Bauherren (VPB), in einer Pressemitteilung.

Barrierearm bauen mit dem eigenen Architekten ist kein Problem, denn Planer erfüllen individuelle Wünsche. Aber neun von zehn Bauherren bauen heute schlüsselfertig. Schlüsselfertighäuser sind standardisierte Entwürfe, an denen sich oft nicht mehr viel ändern lässt. In jedem Fall kosten Änderungswünsche extra und müssen im Vorfeld in die Planung integriert und in den Vertrag hineinverhandelt werden.

Prüfen Sie die Baupläne auf Barrierefreiheit 

Bauherrenberaterin Swoboda rät angehenden Bauherren deshalb dazu, alle infrage kommenden Schlüsselfertigangebote gleich zu Beginn der Überlegungen auf Barrieren hin abzuklopfen. "Dabei scheiden sehr schnell viele Offerten aus, weil die Firmen nicht Willens oder in der Lage sind, barrierearm zu bauen", sagt sie.

Ein Sockel am Haus verhindert ebenerdigen Eingangsbereich 

Neuralgischer Punkt bei fast allen Häusern ist der Eingangsbereich. Er liegt, vor allem bei Häusern in Holzbauweise, in der Regel zwei Stufen hoch, weil das Haus auf einem Sockel steht.

"Der ist technisch nicht nötig, die Ausführung der Abdichtung ist einfacher, wenn der Keller ein Stück weit aus dem Erdreich herausragt", erläutert die Expertin. "Für Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte ist ein Haus mit Sockel aber praktisch nicht bewohnbar." Ein ebenerdiger Eingang ist deshalb die erste gute Idee.

Türen sollten mindestens 113,5 cm breit sein

Von Anfang an breite Türen sind ebenfalls sinnvoll. Mindestens 113,5 Zentimeter hält die Expertin für Haustüren für sinnvoll und Innentüren sollten demnach mindestens 101 Zentimeter breit sein.

Wichtig auch: ausreichend große Rangierflächen.

Komfortlösung Badezimmer: Ebenerdige Dusche ist ein Muss

Sehr üblich sind heutzutage bereits ebenerdige Duschen. Allerdings müssen diese auch entsprechend geplant sein. "Der Einbau moderner Walk-in-Duschen ist heute eigentlich selbstverständlich, aber manche Firmen versuchen dennoch, das als Extra zu berechnen", kritisiert die VPB-Expertin.

"Der Schwachpunkt bei ebenerdigen Duschen ist die Abdichtung des Badezimmerbodens. Das wird nicht immer ordentlich ausgeführt und muss deshalb während der Bauzeit kontrolliert werden“, warnt sie.

Treppen sollten möglichst breit sein 

Bei der Treppe gilt: Möglichst breit ist angesagt. Und: "Hausangebote mit Wendeltreppen werden also tunlichst am Anfang schon aussortiert", empfiehlt Irmtraud Swoboda. Denn: Dort lässt sich kein Treppenlifter nachrüsten.

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Foto: Sebastian Fery / Haufe
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Jörg Stroisch arbeitet als selbstständiger und freier Journalist. Seine Themenschwerpunkte sind informative Ratgeberartikel rund um die privaten Finanzen, insbesondere über die Themengebiete Immobilien, Vorsorge ...
Jörg Stroisch
Wer barrierefrei umbauen möchte, muss nicht nur einfach die Dusche bodengleich bauen lassen oder auf Schwellen und Stufen in der Immobile verzichten. Auch der Griff zum Lichtschalter und andere Elektroinstallationen spielen eine große und wichtige Rolle für eine angenehmeres und unabhängigeres Leben im Alter. 
Barrierearm, barrierefreundlich, altengerecht oder seniorengerecht: Wer seine Immobilie für die Bedürfnisse im Alter anpassen lässt, sollte sich auf diese Begriffe nicht verlassen. Sie beschreiben keine verbindlichen Standards, deshalb Bau- und Umbaumaßnahmen detailliert vereinbaren.
Im Mietrecht gibt es schon seit der Mietrechtsreform vom 1.9.2001 ein neues Wort: „Barrierefreiheit“ heißt es. Dahinter verbirgt sich das Recht Ihres Mieters, seine Wohnung und den Zugang dorthin behindertengerecht umbauen zu dürfen. Vor der Mietrechtsänderung war es noch so: Ungefragt durfte Ihr Mieter in den Mieträumen nichts baulich verändern. Wollte er statt der Badewanne eine behinderten- oder altersgerechte Dusche einbauen, musste er Sie um Erlaubnis fragen.
Eine bodenebene Dusche, ein Treppenlift oder breitere Türen: Ein behindertengerechter (barrierefreier) Umbau im Eigenheim oder im Mietobjekt kann ganz schön ins Geld gehen!  Falls Sie einen entsprechenden alters- bzw. behindertengerechten Umbau planen, können Sie sich nicht nur auf eine Menge Arbeit und Schmutz einstellen, sondern sich auch über Ihre absetzbaren Kosten beim Finanzamt freuen. 

 meineimmobilie.de-Tipp

Gerade das Thema "Lift" kann später zur Stolperfalle werden. Eine gute Idee ist es auch, hier einfach Anschlüsse für einen Außenaufzug vorzusehen, also zum Beispiel ganz bewusst an gleicher Stelle der Außenwand auf allen Etagen Fenster mit dahinterliegenden Fluren einzuplanen.

 

Ein Homelift – das ist ein besonders langsam fahrender Aufzug nach Maschinenrichtlinie – kann dort dann später angebracht werden. Ein Nachrüsten ist dann nicht so aufwendig.