Mittwoch, 17.04.2013 | Autor: Jörg Stroisch , Foto: © Pitopia, Harald Richter, 2005

Hochbeet für den barrierefreien Genuss

Foto: © Pitopia, Harald Richter, 2005
Worum geht´s
  • Auch Gärten können alters- und behindertengerecht gestaltet werden
  • Barrierefreier Garten
Stichworte zu diesem Thema

Topstory: Mit dem Rollstuhl die Sonne im Garten genießen oder eigenes Obst und Gemüse ernten: Oft sind es naheliegende Ideen, die den barrierefreie Garten auch für Betagte und Behinderte ermöglichen.

Ein Garten ist Ort der Erholung. Auch deshalb wollen natürlich auch gerade betagte und behinderte Menschen nicht auf dessen Annehmlichkeiten verzichten. Wenn allerdings dann jeder Stein zur Stolperfalle wird, ist die Sicherheit nicht die beste. „Im Garten können alle Elemente barrierefrei gestaltet werden“, beschreibt aber Jutta Pagel-Steidl, Geschäftsführerin vom Landesverband für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung Baden-Württemberg.

„Wichtig ist aber, dass der Garten sich an die Bedürfnisse des Gartenfreundes anpasst und nicht andersherum.“ Wer da einfach mit dem Material aus dem Baumarkt loslegt, hat selten die beste Lösung: „Die Planung ist das A und O des barrierefreien Gartens“, rät die Expertin. So sollte vorher überlegt werden, wie der Garten genutzt werden soll. „Erst nachdenken und planen, dann buddeln“, fordert Pagel-Steidl.

Wege und Materialien sind wichtig

Zu den häufigsten Fehlern gehören zu schmale Wege. „Wege sollten zwischen 1,50 bis zwei Meter breit sein“, rät so Landschafts- und Gartenarchitekt Jakob Jansen, Geschäftsführer von Frauenrath Landschaftsbau. „Dies ist natürlich abhängig von den Möglichkeiten, die der Garten bietet.“ Pagel-Steidl beschreibt:. „100 Zentimeter ist für eine Einzelperson machbar. Ansonsten gilt: Je breiter, desto besser.“ Und Experte Jansen hält auch einen Handlauf für sinnvoll, das sorgt für mehr Sicherheit.

Martin Breidbach, Gartenberater beim Verband Wohneigentum Hessen, sieht auch die Wahl des Materials oft kritisch: „Ein Splitt-/Schotterweg eignet sich nicht, da Steinchen in den Rollen stecken bleiben könnten und auch Stolpergefahr droht.“ Die Oberfläche muss gut berollbar sein. Stolperfallen sind zu vermeiden. „Deshalb soll der Weg so weit wie möglich fugenlos mit Platten ausgelegt sein“, fordert Pagel-Steidl. „Diese müssen auch griffig, also rutschfest, sein.“

Und da das Material auch der Witterung ausgesetzt, deshalb oftmals nicht optimal gewählt ist, ergänzt Breidbach: „Nach einigen Jahren sind vor allem in Schattenbereichen die Wege vermoost, so dass Rutschgefahr besteht.“ Gartenarchitekt Jansen weist auch darauf hin, dass gerade ältere Menschen Grautöne nur schwer unterscheiden können. Seine Idee: „Der Wegbelag sollte kontrastreich sein. Unterschiedliche Farben können auf Höhenunterschiede, Querungen, Stufen und ähnliches im Garten hinweisen.“

Barrierefreie Beete im Garten

Obst und Gemüse ist bei vielen Menschen fester Bestandteil des eigenen Gartens. Ältere und behinderte Menschen haben aber gerade in diesem Punkt viel Mühe, denn das Bücken fällt schwer. Die Lösung dafür ist recht simpel: ein Hochbeet. „Für Eigentümer im Rollstuhl sollte das Hochbeet unterfahrbar sein, damit das Beet in sitzender Position bepflanzt werden kann“, rät Jutta Pagel-Steidl. Die Kosten bleiben dabei absolut im Rahmen: Martin Breidbach kalkuliert für ein fertiges Tischbeet auf Rollen zwischen 700 und 800 Euro ein. Als Selbstbausatz oder komplett selbst gebaut ist es noch günstiger. „Sinnvoll ist es, die Beete mit einem eigenen Wasseranschluss zu versehen“, ergänzt Breidbach. Auch sollten die Pflanzen nicht zu eng stehen, damit ein müheloses Ernten möglich ist.

Und auch Obst können Menschen mit körperlichen Einschränkungen ohne Probleme ernten. Allerdings: „Auf große Obstbäume sollte verzichtet werden“, rät Pagel-Steidl. „Für Menschen mit Behinderung eignet sich Spalierobst besser.“ An niedrig angebrachten Drähten wachsen die Pflanzen dabei entlang, es kann dann auch im Sitzen geerntet werden.

Kosten gestalten sich unterschiedlich

Mit wenigen hundert Euro kann im eigenen Garten schon viel erreicht werden. Eine komplette Planung und Umbau kann aber auch schnell in die Zehntausende gehen. Das ist das Kostenspektrum für den barrierefreien Garten. „Müssen im Garten noch größere Höhenunterschiede ausgeglichen oder größere Umgestaltungen umgesetzt werden, belaufen sich die Kosten auch schnell auf 5.000  bis 15.000 Euro“, schätzt so Gartenarchitekt Jakob Jansen. Für sachgerechte Pflasterarbeiten inklusive Untergrund oder Vlies gegen den Moosbefall fallen nach Schätzung von Martin Breitbach 40 bis 80 Euro pro Quadratmeter an. Die Handwerkerleistungen können später eventuell von der Steuer abgesetzt werden.

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Foto: Sebastian Fery / Haufe
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Jörg Stroisch arbeitet als selbstständiger und freier Journalist. Seine Themenschwerpunkte sind informative Ratgeberartikel rund um die privaten Finanzen, insbesondere über die Themengebiete Immobilien, Vorsorge ...
Jörg Stroisch
Dossier: Barrierefreies Wohnen wird immer wichtiger. Wer jetzt plant, ein Haus zu kaufen oder zu bauen, sollte an das Leben im Alter denken. Informationen rund um das barrierefreie Eigenheim.
Dossier: Bei gutem Wetter zieht es zahlreiche Hausbesitzer in ihren Garten. Die grüne Oase bietet Entspannung und Ruhe, aber bringt auch viel Arbeit mit sich. Blumen gießen, Hecke schneiden und Schädlinge bekämpfen sind nur einige der vielen Aufgaben des Hobbygärtners.

 meineimmobilie.de-Tipp

Checkliste: Acht Tipps für den barrierefreien Garten:

  • Gartenzugang erleichtern: Ein schwellenfreier Übergang sollte eingerichtet werden, um den Garten überhaupt zu erreichen.
  • Wegbeschaffenheit beachten: Damit der Gartenweg wirklich als barrierefrei gilt, muss er angemessen breit angelegt, mit gut befahrbarem Material befestigt und rutschfest sein.
  • Stufen vermeiden: Um Barrierefreiheit zu gewährleisten, sollten im Garten grundsätzlich Stufen vermieden werden.
  • Kontraste setzen: Der Wegbelag sollte kontrastreich sein. Unterschiedliche Farben können auf Höhenunterschiede im Garten hinweisen. Grautöne sollten vermieden werden, da ältere Menschen diese nicht mehr unterscheiden können.
  • Wegbreite anpassen: Damit der Garten problemlos mit dem Rollstuhl oder dem Rollator befahrbar ist, sollten Nebenwege mindestens 90 Zentimeter breit sein und Hauptwege 1,5 Meter.
  • Hochbeete statt Flachbeet: Hochbeete ermöglichen das selbstständige Einpflanzen von Blumen trotz Handicap. Für Rollstuhlfahrer sollten Hochbeete unterfahrbar sein. Ältere Menschen, die aber in der Lage sind zu laufen, können ein Hochbeet mit Umrandung als Sitzmöglichkeit wählen.
  • Barrierefreie Pflanzen: Auch bei der Pflanzenwahl ist zu beachten, dass diese trotz Behinderung erreichbar sind. So sollten beispielsweise keine Obstbäume, sondern Spalierobst gepflanzt werden.
  • Bewässerung gewährleisten: Hochbeete sollten in der Nähe von Wasseranschlüssen aufgestellt werden, um die Bewässerung zu erleichtern. Alternativ kann auch eine automatische Bewässerung installiert werden.