Montag, 22.05.2017 | Autor: Jörg Stroisch, Foto: MEV Verlag GmbH, Germany

Grillen: Wenn´s dem Nachbarn stinkt

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Sommer, Sonne, Grillzeit. Was für den einen ein Hochgenuss ist, ist für den direkten Nachbarn häufig ein großes Ärgernis: Der Bratwurstduft zieht direkt ins Schlafzimmer oder an die frisch gewaschene Wäsche. Hausbesitzer sollten hier besser aufpassen.

Ob Grillen erlaubt ist oder nicht, hängt davon ab, wie viel gegrillt wird und welche Belästigungen es im jeweiligen Einzelfall für Mitbewohner oder Nachbarn gibt. Das erläutert der Verband Wohneigentum in einer Pressemitteilung.

Grundsätzlich können Sie jedoch davon ausgehen, dass das Grillen erlaubt ist, wenn man sich an gewisse Regeln hält. Generell gilt der Grundsatz: „Man darf so oft grillen, so lange der Nachbar dadurch nicht wesentlich beeinträchtigt wird“.

Bei gelegentlichem Grillen wird sicherlich noch keine wesentliche Beeinträchtigung des Nachbarn vorliegen, so Rechtsanwalt Holger Schiller vom Verband Wohneigentum.

Beim Grillen gilt ein gegenseitiges Rücksichtnahmegebot 

Das Gebot der nachbarschaftlichen Rücksichtnahme sollte generell das oberste Prinzip unter Nachbarn sein. Der bloße Geruch des Grillguts ist beispielsweise noch kein Beschwerdegrund für einen Nachbarn.

In den meisten Fällen ist es vielmehr der Qualm, der vor allem beim Grillen auf einem Holzkohlegrill zu einer Belästigung des Nachbarn führen kann.

Das Grillen ist daher beispielsweise nach dem Landesimmissionsschutzgesetz NRW dann verboten, wenn dadurch unbeteiligte Nachbarn erheblich belästigt werden, etwa durch das Eindringen von Qualm und Rauch in deren Wohn- oder Schlafräume, informiert der Verband Wohnungseigentum.

Was beim Grillen auf dem Balkon zu beachten ist

Das Grillen auf dem Balkon ist oftmals bereits laut der Hausordnung verboten, so Rechtsanwalt Holger Schiller. Ein Vermieter darf im Mietvertrag das Grillen grundsätzlich untersagen. Hält sich ein Mieter nicht daran, kann man ihm im Extremfall sogar deswegen kündigen.

Das Landgericht Essen hat beispielsweise entschieden, dass durch mietvertragliche Regelungen sogar ein absolutes Grillverbot verhängt werden kann – sowohl auf einem Holzkohlengrill als auch auf einem Elektrogrill.

Zum Grillen gibt es keine einheitliche Rechtsprechung

Doch selbst Rechtsanwälte warnen: Beim Thema Grillen gibt es keine einheitliche Rechtsprechung. Vielmehr werden die Entscheidungen immer für den konkreten Einzelfall getroffen. Nach Ansicht des Landgerichts Aachen darf beispielsweise zweimal im Monat in dem am weitesten von allen Nachbarn entfernten Teil des Gartens gegrillt werden.

Das Landgericht Stuttgart hingegen gesteht Grillfreunden auf der Terrasse drei Grillabende oder sechs Stunden jährlich zu. Das Oberlandesgericht Oldenburg ist der Ansicht, dass Nachbarn viermal im Jahr das Grillen dulden müssen.

Kommentare (1)

26.5.2017, 1:32 Uhr von Haas GbR Profil ansehen
Guten Tag, wie sieht denn die Situation aus wenn der Nachbar (Gaststätte) einen Räucherofen hat? Problem ist wie folgt: Ich als Vermieter habe im Zuge einer Kernsanierung eine dezentrale Lüftungsanlage für 11 Einheiten. Diese Anlage saugt nun den Geruch des Räucherofens an und die Wohnungen richen nun nach dem geräucherten. Was kann ich tun? Die Betriebsergebnis Seitens des Amtes liegt vor, allerdings ist es meines Erachtens nicht zumutbar in einer solchen Wohnung zu wohnen. Hilfe wäre hier angebracht.
Foto: Sebastian Fery / Haufe
Foto: Sebastian Fery / Haufe

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Jörg Stroisch arbeitet als selbstständiger und freier Journalist. Seine Themenschwerpunkte sind informative Ratgeberartikel rund um die privaten Finanzen, insbesondere über die Themengebiete Immobilien, Vorsorge ...
Jörg Stroisch
Sommerzeit – Grillzeit. Ein Motto, das sich viele Menschen zu Herzen nehmen. Manch einem qualmt es allerdings gewaltig, was dort vom Balkon oder der Gartenterrasse herüberweht. "Darf der das überhaupt?", fragen sich Mitmieter und Nachbarn. Geht es nach den Gerichten, sieht es so aus:
News: Die sonnigen Tage in den kommenden Wochen werden viele Hausbesitzer und Mieter dafür nutzen, auf ihrem Balkon oder im Garten den Grill anzuwerfen. Doch während sich der eine auf seine Wurst freut, fühlt sich der andere vom Geruch belästigt. Mit Rücksicht lassen sich Nachbarschaftsstreitigkeiten ums Grillen vermeiden.

 meineimmobilie.de-Tipp

Streit vor Gericht auszutragen, ist oftmals die ungünstigste Lösung. Viel besser ist es, wenn Sie Ihre Nachbarn rechtzeitig über einen geplanten Grillabend informieren und einfach dafür sorgen, dass die Rauchbelästigung nicht zu stark wird.