Mittwoch, 22.07.2009 | Autor: Heidi Schnurr

Gefährliche Glühwürmchen: Wo China-Laternen verboten sind

Verliebte Romantiker schwören auf sie, bei Hochzeiten sind sie gerade ziemlich trendy und bei Taufen werden damit Zukunftshoffnungen für den Täufling gen Abendhimmel geschickt. Die Rede ist von den wunderschönen, aber leider brandgefährlichen China-Lampions. Doch nicht überall ist das Aufsteigenlassen mehr erlaubt! Wo Bußgelder bis 5.000 Euro drohen, lesen Sie hier:

Erst seit etwa 4 Jahren importieren chinesische Hersteller diese Hingucker im Abendhimmel auch nach Europa. Sie funktionieren nach dem Prinzip eines Heißluftballons: Eine unten geöffnete Reispapiertüte wird mit dünnen Drähten zu einem hohen Zylinder aufgespannt.

In der Öffnung hängt ein mit Wachs überzogenes Stück Stoff, das angezündet wird. Die erhitzte Luft im Inneren des Lampions lässt ihn bis zu 400 m hoch aufsteigen. Dabei kann es jedoch passieren, dass das Papier in Brand gerät oder die Laterne abstürzt, bevor das Wachs ganz verbrannt ist.

Gute Wünsche ziehen gen Himmel, Häuser schlimmstenfalls in die Feuerhölle

Mit solchen "Himmelslaternen" werden gerade bei Hochzeiten gute Wünsche für die Zukunft in den Himmel geschickt - und das Haus eines Nachbarn schlimmstenfalls in die Feuerhölle.

Die Brandgefahr, die mit solchen Himmelslaternen Hand in Hand geht, wird oft unterschätzt. In Siegen kam im Juni bei einem durch eine Himmelslaterne verursachten Feuer ein 10 Jahre alter Junge ums Leben. In Weimar brannte das Dachgeschoss eines Wohn- und Geschäftshauses am Weimarer Frauenplan ab.

Es gibt noch kein bundesweites Verbot

Der bisher höchste Brandschaden von 250.000 Euro entstand Anfang Juli an Hausdächern im südhessischen Dieburg. Sorglos verursacht von einer Hochzeitsgesellschaft.

Diese Fälle zeigen, wie gefährlich solche brennende Hingucker sein können. Dennoch gibt es noch kein bundesweites Verbot für die Laternen. Allerdings verbieten gerade immer mehr Bundesländer diese Partylichter.

Erst 4 Bundesländer haben China-Laternen verboten

So sind beispielsweise die brennenden Papierlampions in Bayern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt verboten. In Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein wird ein solches Laternenverbot gerade vorbereitet. In Hessen soll es Anfang August in Kraft treten. Auch die thüringische Landesregierung will sie bald verbieten, wie das Innenministerium in Erfurt mitteilte.

Zwar könnten jetzt schon die Ordnungsämter der Kommunen Verbote erlassen. Das geht aber nur beschränkt auf ihre Zuständigkeitsbereiche! Das macht die Rechtslage immer unüberschaubarer!

Die Himmelslaternen wurden schon vor rund 2.000 Jahren in China entwickelt und zunächst nur vom Militär dazu genutzt, um über weite Entfernungen zu kommunizieren. Später ließ man die Lampions dann auch zu festlichen Anlässen gen Himmel schweben.

Schon jetzt kann ein Steigenlassen strafbar sein!

Strafrechtlich erfüllt das Anzünden und insbesondere das unkontrollierte Steigenlassen solcher Ballons den Tatbestand der Herbeiführung einer Brandgefahr.

Kommt es tatsächlich zum Brand, kann das zusätzlich noch den Tatbestand der fahrlässigen Brandstiftung erfüllen. Dafür drohen Ihnen bis zu 5 Jahre Freiheitsstrafe. Von den privatrechtlichen Folgen, die Sie als Brandverursacher finanziell ruinieren können, einmal ganz zu Schweigen, denn keine Haftpflichtversicherung kommt dafür auf.

Eine saftige Geldbuße gibt es jetzt schon in manchen Bundesländern

Für das Aufsteigenlassen soll es zudem bald saftige Geldbußen geben. In Baden-Württemberg bis zu 50.000 Euro. In Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, wo die Laternen bereits verboten sind, kann das Loslassen einer angezündeten Laterne bis zu 5.000 Euro kosten.

Der Verkauf der Papierballone ist noch nicht verboten. In Schleswig-Holstein soll es jedoch voraussichtlich im Oktober in Kraft treten. Auch Brandenburg bereitet ein Verbot vor.

Amüsant: Selbst die sogenannte UFO-Meldestelle in Mannheim beschäftigt sich mit einem Verbot der China-Lampions. Sie wurde bereits mehrfach wegen "außergewöhnlicher Himmelsphänomene" angerufen, die sich dann als Himmelslaternen entpuppten.

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