Mittwoch, 17.07.2013 | Autor: Jörg Stroisch , Foto: © Pitopia, Harald Richter, 2006

Brandschutz: So wird Ihr Haus nicht zur Feuerfalle

Foto: © Pitopia, Harald Richter, 2006
Worum geht´s
  • Brandschutz beginnt bereits bei der Bausubstanz – und rettet Leben

Topstory: Das Feuer im eigenen Haus ist ein echter Albtraum. Für den Neubau gibt es Verordnungen und Regeln, um diesen Ernstfall zu vermeiden. Denn gerade bei einem Altbau beschleicht doch so manchen Eigentümer das ungute Gefühl, dass da nicht alles wirklich brandsicher ist.

Dabei lässt sich hier was sinnvoll nachrüsten, um den Betrieb und die Instandhaltung des Gebäudes so zu sichern, wie es der Gesetzgeber fordert.

200.000 Wohnungsbrände pro Jahr sprechen eine deutliche Sprache: Vorbeugung hilft hier, beachtlichen Schaden zu vermeiden und auch Leben zu retten. Denn immer noch werden auch 600 Menschenleben ein Opfer der Flammen und vor allem des Brandrauchs. Die Statistik des Instituts für Schadensverhütung und Schadensforschung der öffentlichen Versicherer macht hier als ermittelbare Topgefahren die Elektrizität (mit 34 Prozent aller Brandursachen), menschliches Fehlverhalten (16 Prozent), Brandstiftung (10 Prozent) und Überhitzung (8 Prozent) aus.

Elektrizität – aber nicht Elektroinstallation – ist Brandherd Nummer 1

Georg Spangardt, Branddirektor bei der Kölner Berufsfeuerwehr und in unterschiedlichen Funktionen deutschlandweit in der Brandprävention tätig, räumt aber gleich mit einer Mär auf: „Durch die verlegten elektrischen Leitungen entsteht eher selten ein Brand“, sagt er. „Vielmehr geht die Hauptgefahr von defekten Netzgeräten oder Ladegeräten im Stand-by-Modus aus.“

Der Brandexperte rät natürlich zu den üblichen Standardmaßnahmen im Wohnungsbau, etwa auch den nachträglichen Einbau mehrerer Stromkreise und die Verwendung von FI-Schaltern, also einer zeitgemäßen Elektroinstallation. „Wenn allerdings der Bewohner zu viele Verbraucher an eine Mehrfachsteckdose anschließt, dann überhitzen die Steckkontakte schnell“, warnt er. War so früher die Implosion des Röhrenfernsehers eine Hauptbrandursache, ist es heute der durchgeschmorte Kontakt beim Flachbildschirm

Fluchtwege freihalten ist auch baulich möglich

Spangardt kennt aus der Praxis viele Schwachpunkte des Hauses: „Besonders wichtig ist immer, dass der Fluchtweg auch gefahrlos nutzbar ist“, sagt er. Mülltonnen im Hausflur, Abstellbereiche unter der Treppe oder auch einfach nur der Sammelbehälter für die Reklame oder zu viele Fahrräder oder Kinderwagen im Hausflur: Brandlasten oder einfach Hindernisse.

Große Blumenkübel und verschlossene Haustüren: Da steht der Bewohner dann in der Brandfalle oder stolpert über den umgeworfenen Kübel. „Das ist alles relativ einfach lösbar“, sagt der Branddirektor. „So können in Haustüren zum Beispiel Schnappschlösser eingebaut werden, so dass sie nach außen verschlossen ist, nach innen aber immer leicht zu öffnen.“

Für den Rettungsweg auch wichtig ist es, dass sich der Bewohner bemerkbar machen kann. „Häufig vergessen das Hauseigentümer, wenn sie zum Beispiel aus einer großen Wohnung mehrere kleine Studentenapartments machen“, sagt Georg Spangardt.

Denn wenn ein Bewohner erst durch das Zimmer des anderen muss, um an die vordere Fensterfront zu gelangen, ist er gefangen und die Feuerwehr sieht ihn nicht. Reimund Stewen, Experte beim Verband Privater Bauherren (VPB), ergänzt: „Gerade auch zum Wohnraum ausgebaute Keller sind hier ein Problem. Denn wenn es hier keinen zweiten Fluchtweg gibt, sitzt der Bewohner in der Falle.“

Lichtschächte seien nicht dazu geeignet, das Haus zu verlassen. Deshalb ist es auch gerade bei der Hinterhofbebauung Pflicht, dass dort eigene Feuertreppen oder Notleiteranlagen angebracht werden. Aber: Die DIN-Norm empfiehlt hier alle drei Jahre eine fachmännische Überprüfung, „denn die beste Leiter bringt nichts, wenn sie durch den Rost beim ersten Betreten zusammenbricht“, so Spangardt.

Alte, luftdurchlässige und offen stehende Türen vor den Kellern und Dächern, Oberfenster über der Wohnungstür aus dünnem Glas: ein Albtraum während eines Feuers. Spangardt erklärt, warum: „Wenn es brennt, dringt der Rauch nach kurzer Zeit – das Glas zerspringt nämlich sehr schnell – völlig unkontrolliert in alle Räume und insbesondere in den Treppenraum.“

Energetische Sanierung mit Brandschutz

Generell stellen hier übrigens auch die häufig in montierten Wärmeverbundsystemen verwendeten Polystyrole ein Problem dar: „Da packt sich der Bauherr eine Brandlast an die Wand“, kritisiert Reimund Stewen das System, von dem er auch aus Gründen der Nachhaltigkeit nicht viel hält. „In höheren Gebäuden ist es deshalb Pflicht, dass über Fenster und Türen ein Schutz – etwa aus Mineralwolle – angebracht wird.“ Der Gesetzgeber sehe das für Einfamilienhäuser „aus unerfindlichen Gründen“ aber nicht vor. Wenn der Bauherr das dennoch möchte, müsste er laut VPB mit einem Aufpreis von etwa 5.000 Euro rechnen.

Beim Nachrüsten Standard ist mittlerweile der Brandrauchmelder, „als Vorbeugung sehr gut“, kommentiert auch Stewen. Die Stiftung Warentest hat  aktuelle Modelle im Januar getestet – es gibt bereits „gute“ Modelle ab zehn Euro pro Stück, die Testsieger kosten rund 30 Euro. Und sie sind ohnehin in immer mehr Bundesländern Pflicht – seit April zum Beispiel auch in Nordrhein-Westfalen. Manchmal gibt es noch Übergangsfristen für Bestandsbauten.

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Foto: Sebastian Fery / Haufe
Foto: Sebastian Fery / Haufe

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Jörg Stroisch arbeitet als selbstständiger und freier Journalist. Seine Themenschwerpunkte sind informative Ratgeberartikel rund um die privaten Finanzen, insbesondere über die Themengebiete Immobilien, Vorsorge ...
Jörg Stroisch

 meineimmobilie.de-Tipp

Infomaterialen zum Brandschutz:

  • www.dfv.org/fb-vb.html: Der Deutsche Feuerwehrverband ist natürlich ein guter Ansprechpartner für alle Fragen rund um den Brandschutz. Ein eigenes Fachreferat (3 – vorbeugender Brandschutz) kümmert sich hier auch um Fragen rund um den Hausbau. Kontaktdaten: Deutscher Feuerwehrverband e. V. (DFV), Bundesgeschäftsstelle, Reinhardtstraße 25, 10117 Berlin, Telefon: (030) 2888488-00
  • www.is-argebau.de: Die „Bauministerkonferenz“ erarbeitet in einer Arbeitsgemeinschaft Richtlinien rund um den Hausbau, natürlich auch in Bezug auf den Brandschutz. Auf der Website gibt es dazu aktuelle Infos. Heißes Thema dort derzeit: Brandverhalten bei Wärmedämmverbundsystemen.
  • www.vpb.de/download/VPB-Ratgeber_Brandschutz.pdf: Der Verband Privater Bauherren bietet im Internet einen kostenlosen Ratgeber „Brandschutz“ zum Download an. Er informiert auf wenigen Seiten über die wesentlichen Aspekte. Kontaktdaten: VPB Bundesbüro, Chausseestraße 8, 10115 Berlin, Telefon: (030) 278901-0 
  • www.rauchmelder-lebensretter.de/brandschutz.html: An der Initiative „Rauchmelder retten Leben“ haben sich verschiedene Hersteller und Dienstleister beteiligt. Auch hier gibt es Informationen zur Brandprävention. Kontaktdaten: Forum Brandrauchprävention e.V., c/o eobiont GmbH, Immanuelkirchstraße 3-4, 10405 Berlin, Telefon: (030) 44020130