Montag, 07.07.2014 | Autor: Jörg Stroisch, Foto: © sp4764 - Fotolia.com

Barrierefrei den Garten genießen

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Worum geht´s
  • Auch Gärten können alters- und behindertengerecht gestaltet werden
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Das Gärtnern ist für viele Menschen ein Hobby und es ist eine echte Einschränkung, wenn dies im zunehmenden Alter nicht mehr klappt. Dabei ist es gar nicht so schwer, einen Garten barrierefrei zu gestalten, so dass er auch mit Rollstuhl oder Rollator noch Spaß macht.

Laut einer Statistik des Bundesverbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau fühlen sich rund 62 Prozent der über 70-Jährigen in ihren Bewegungsabläufen eingeschränkt. Für 26 Prozent der Männer unter 50 Jahren ist demnach das Tragen von Lasten mühsam, bei den über 70-Jährigen sind es schon 56 Prozent, bei den Frauen sogar 63 Prozent. Da kann dann der eigene Garten schnell zur Last werden, die Freude geht daran verloren. „Ein Garten ist Lebensqualität und -freude“, findet aber Jutta Pagel-Steidl, Geschäftsführerin vom Landesverband für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung Baden-Württemberg. Und sie gibt einen ersten wichtigen Tipp, wie diese Freude erhalten bleibt: „Niemand sollte zum Sklaven seines Gartens werden.“

Aber auch so ist es oft mit recht einfachen Mitteln möglich, den Garten weitestgehend barrierefrei zu gestalten, wobei „die Wege zum barrierefreien Garten so vielfältig sind, wie die Gärten selbst“, wie Joachim Roemer, Vizepräsident des Landesverbandes Niedersächsischer Gartenfreunde, beschreibt. Und Michael Henze vom Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau ergänzt: „Vor der Umgestaltung sollte eine ehrliche Bestandsaufnahme erfolgen. Wer beispielsweise lieber viel reist, hat andere Bedürfnisse an den Garten, als wenn die Arbeit dort ein wichtiges Hobby ist.“ Roemer rät dabei zu einer Priorisierung: „Es ist nicht das vorrangige Ziel, den Garten bis in die letzte Ecke barrierefrei zu gestalten.“ Planung ist dabei das A und O. Wer einfach drauflos buddelt, findet selten die beste Lösung.

Eindeutige Empfehlungen zu den Wegen

Wichtigstes Element in einem Garten sind dabei die Wege – und zugleich die häufigste Fehlerquelle. Sie sind nämlich ganz häufig schlicht zu schmal. „Vor allem für große Gärten gilt: Bei 1,50 Metern Wegbreite ist auch Platz für Begegnung“, sagt so Pagel-Steidl. Dann können sich auch zwei Rollstuhlfahrer bequem unterhalten. Und: „0,90 Meter sollten an Breite auf keinen Fall unterschritten werden.“ Ein Handwerker verlegt einen Weg mit rutschfesten Platten inklusive Untergrund in etwa für 40 bis 80 Euro pro Quadratmeter. Die Materialwahl ist entscheidend: Möglichst kleine Fugen, rutschfest bei unterschiedlichen Witterungen sind hier Kriterien. Pagel-Steidl weiß aus Erfahrung, dass es dabei aber nicht aufhört: „Stolperfallen sind zum Beispiel Wurzelwerk oder auch Entwässerungsrinnen. Obwohl nur ein bis zwei Zentimeter breit, bleiben Rollstuhlräder möglicherweise darin hängen.“


Und auch das Thema Hanglage sorgt immer wieder für Probleme. Am besten ist es natürlich, diese durch eine entsprechende Wegeführung oder Rampen zu überwinden. Aber nicht immer ist das möglich. Wenn es nur mit Treppe klappt, gibt es dafür Vorschriften. „Ab drei Stufen ist bei Treppen ein Handlauf vorgeschrieben“, sagt Gartenbauexperte Henze. Und er rät auch dazu, dass die Treppenstufen in der Breite für ältere Personen gut geeignet sein sollten. „Je flacher sie ist, desto müheloser kann darauf gelaufen werden“, so Henze. Alle fünf bis sechs Stufen sollte auch ein Podest zum Ausruhen eingeplant werden. Und: „Wo Licht ist, fällt auch Schatten“, sagt Pagel-Steidl. „Und Schatten kann wieder eine Stolperfalle sein.“ Sprich: Auch die Beleuchtung der Wege sollte gut geplant werden, gerade auch bei Sehbehinderungen.

Barrierefreie Beete und Bäume im Garten

Bei diesem Thema rät Roemer zu Leitstrukturen im Garten. Leitschienen auf dem Boden geben Orientierung und Gehölze dienen dann mit ihren unterschiedlichen Blattformen als Kennzeichnung.

Der niedersächsische Gartenfreund findet auch Hochbeete sehr praktisch. „Ein einfaches Hochbeet kann mit rechteckig aufgeschichteten Holzbohlen, die mit Draht gegen Mäuse und Folie gegen Durchnässung abgesichert sind, erstellt werden.“ Vorgefertigte Kästen gibt es schon für unter 100 Euro zu kaufen. Aber ein alter Tisch mit Blumenkästen tut es auch schon, so ist dann das Hochbeet fast kostenlos. Nobelausführungen können hingegen auch schon mal – mit allem drum und dran vom Fachmann bepflanzt – 700 bis 800 Euro kosten. Unterfahrbar oder stattdessen mit einem breiten Randlauf. Inklusive Wasserleitung, damit nicht das Schlauchziehen die eigentlichen Mühen bereitet, Raum oder Haken für die dazugehörigen Gartenwerkzeuge: Viele nützliche Kleinigkeiten machen die Arbeit mit dem Hochbeet noch angenehmer.

Nach hohen Bäumen können Rollstuhlfahrer noch schwerer greifen. Die Lösung ist hier ebenfalls recht simpel: Spalierobst. Die Bäume gibt es in allen gängigen Sorten und sie werden 1 bis 2 Meter groß. Je nach Alter, Größe und Sorte fangen die Preise pro Pflanze etwa bei 20 Euro an. Und natürlich eignen sich auch verschiedene Büsche – vielleicht dann als manchmal erhältliche dornfreie Variante – gut für den barrierefreien Garten.

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Foto: Sebastian Fery / Haufe
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Jörg Stroisch arbeitet als selbstständiger und freier Journalist. Seine Themenschwerpunkte sind informative Ratgeberartikel rund um die privaten Finanzen, insbesondere über die Themengebiete Immobilien, Vorsorge ...
Jörg Stroisch

 meineimmobilie.de-Tipp

Barrierefreiheit beim Wohnen und im Garten ist ein wichtiges Thema. Viele unterschiedliche Organisationen beschäftigen sich damit. Eine Auswahl:
 

  • Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau: Im Verband organisieren sich die Garten- und Landschaftsbauer.  Alexander-von-Humboldtstraße 4, 53604 Bad Honnef, Telefon: 02224 77070, www.galabau.de.
  • Landesverband für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung Baden-Württemberg: Der Verband richtet sich an alle körperlich Eingeschränkten – unabhängig vom Alter, von der Art und Schwere der Behinderung. Haußmannstr. 6, 70188 Stuttgart, Telefon: 0711 2155220, www.lv-koerperbehinderte-bw.de.
  • Bundesverband Deutscher Gartenfreunde: Für den Kleingarten oder auch den privaten Garten gibt es hier Tipps auch rund um die Barrierefreiheit. Platanenallee 37, 14050 Berlin, Telefon: 030 30207140, www.kleingarten-bund.de
  • Serviceportal Zuhause im Alter: Diese Website des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gibt viele Tipps rund um das seniorengerechte Wohnen. www.serviceportal-zuhause-im-alter.de