Donnerstag, 01.03.2012 | Autor: mb, Foto: © Pitopia, Harald Richter, 2006

Schimmelgefahr bei Neubauten

Foto: © Pitopia, Harald Richter, 2006
Worum geht´s
  • Schimmelgefahr bei Neubauten
  • Zeitdruck auf der Winterbaustelle
  • Feuchtigkeit im Baumaterial macht Haus unbewohnbar

Schimmel entsteht nicht nur in alten Gebäuden. Auch komplett neu errichtete Häuser können von den gesundheitsgefährdenden Pilzen befallen werden. Das passiert dann, wenn das Haus nicht richtig entfeuchtet wird - ein häufiges Phänomen bei Winterbaustellen.

Schimmel kann selbst ein ganz neues Haus unbewohnbar machen. Für Bauherren, die ihre Immobilie nach dem Fertigstellungstermin selbst beziehen oder vermieten wollen, ist diese Vorstellung eine Katastrophe.

Doch der Verband Privater Bauherren (VPB) berichtet, dass Schimmelbefall in Neubauten kein Einzelfall ist: Rund die Hälfte aller Neubauten sei heute von Schimmel betroffen, heißt es in einer Pressemitteilung des Verbands. Hauptursache dafür sind nach Ansicht der Bauexperten die zunehmenden Winterbaustellen, die außerdem von den Bauunternehmen nicht sorgfältig genug betreut werden. 

Winterbaustellen erhöhen Schimmelgefahr

Winterbaustellen sind heute gang und gäbe - moderne Materialien machen es möglich, das ganze Jahr über zu bauen. Die Baustoffe sind auch bei kalten Temperaturen einsatzfähig. Dennoch müssen laut VPB mindestens fünf Grad plus herrschen, damit die Baustoffe verarbeitet werden können. Doch selbst wenn das Thermometer tagsüber fünf Grad anzeigt, so fallen die Werte meist in der Nacht. Und das sei dann selbst für moderne Baustoffe zu kalt, so der VPB. Bauunternehmer, Schlüsselfertiganbieter und Bauherren stehen jedoch meist unter Zeitdruck und somit wird nicht immer so gearbeitet, wie es das Baumaterial eigentlich verlangt.

Die Feuchtigkeit ist der größte Feind - auch bei einem Neubau. Wenn Estrich aufgebracht wird oder die Innenwände verputzt werden, dann entsteht im Haus viel Feuchtigkeit. Sie muss durch konsequentes Heizen und Lüften entfernt werden. Sonst ist Schimmel fast immer die Folge.

"Ein Problem beobachten wir fast überall im Winter", schildert VPB-Präsident Thomas Penningh, "im Erdgeschoss und im ersten Stock wird verputzt und geheizt, während die Dampfbremse im Bereich der Bodeneinschubtreppe und an Öffnungen für Installationen zum unausgebauten und ungedämmten Dachgeschoss sperrangelweit offen steht.

Das ist bauphysikalisch fatal, denn die Feuchtigkeit aus dem unteren Bereich zieht wie in einem Kamin nach oben und schlägt sich dort an den kühlen Bauteilen wie zum Beispiel Dachsparren nieder." Diese Feuchtigkeit führe fast immer zu Schimmelbefall, der später teuer saniert werden muss, so der VPB-Experte. Im schlimmsten Fall müssten Balken sogar ausgetauscht werden. 

Kühle und beheizte Bereiche trennen

Das Problem ließe sich vermeiden, wenn alle Öffnungen zum unausgebauten Dach vor dem Ausbau luftdicht geschlossen würden. Damit wären kühler und beheizter Bereich baulich getrennt. Die Feuchte aus Putz und Estrich könnte nicht ins Dach ziehen, sondern über die Fenster entlüftet werden. "Bauunternehmer versuchen immer wieder, sich aus der Verantwortung zu stehlen", kritisiert Bausachverständiger Penningh. "Sie behaupten, der Bauherr sei für die Trocknung der Baustelle zuständig.

Tatsächlich ist es aber so, dass der Bauunternehmer ein mängelfreies Haus erstellen muss. Und wenn bei der Bauabnahme bereits zu viel Feuchte im Bau ist und sich daraus Schimmel bilden kann, dann ist das ein Mangel, den der Käufer nicht akzeptieren muss." 

Der VPB geht deshalb davon aus, dass Verträge von Schlüsselfertiganbietern, die den privaten Bauherrn im "Kleingedruckten" verpflichten, selbst für die Trocknung des Baus zu sorgen, als allgemeine Geschäftsbedingung unwirksam seien.

"Solche Klauseln laufen auf einen Haftungsausschluss für Mängel hinaus. Das geht vielleicht, wenn ein Unternehmer nur einzelne Gewerke übernimmt, nicht aber, wenn er sich vertraglich verpflichtet hat, ein komplettes Haus schlüsselfertig zu bauen. Dann muss er sich auch um die Trocknung der Baustelle kümmern, damit es nicht zu Schimmelschäden kommt." 

Private Bauherren müssen sich absichern

Der VPB empfiehlt allen privaten Bauherren, sich rechtzeitig Unterstützung durch einen unabhängigen Fachmann zu holen - und zwar schon vor Vertragsunterzeichnung. Somit kann der Vertrag noch auf Fallstricke hin überprüft werden, wie etwa jene, die die Verantwortung für das Trocknen der Baustelle auf den Bauherrn abwälzen wollen.

Kein Bauherr sollte solche Passagen unterschreiben, ohne sich vorab beim Bauberater genau zu informieren, was das für ihn bedeuten kann. Außerdem sollte der Sachverständige im Auftrag des Bauherrn den Baufortschritt lückenlos kontrollieren, damit beispielsweise die fehlende Luke zum Dachboden rechtzeitig geschlossen und das Haus gründlich trocken geheizt wird, empfiehlt der VPB.

Kommentare (0)

Kommentieren, ergänzen Sie jetzt den Artikel oder geben Sie dem Autor Feedback. Einfach anmelden und losschreiben.
Mit Ausnahme von einem kleinen Zimmer ist der Aufenthalt in den restlichen Räumen der Wohnung so gut wie unmöglich. Die Räume sind feucht, modrig ...
Topstory: Ist der Schimmel erst einmal da, leidet darunter Ihre Gesundheit - oder die Ihres Mieters! Es gibt viele Ursachen für Schimmel - und je nachdem kann ihre Beseitigung entsprechend teuer werden.
News: Schimmelpilze an Tapeten, Schrankrückwänden oder Fugen können zu gesundheitlichen Schäden führen. Wer Schimmel in seinen Wohnräumen bemerkt, sollte deshalb tätig werden. Wichtig ist dabei, die Ursache für die Schimmelbildung zu suchen.
„In meiner Immobilie habe ich ein Schimmelproblem. Rund 1.500 Euro kostet die Beseitigung, sagt mein Malerbetrieb. Kann ich die Kosten  von der Steuer absetzen?“ so lautet eine Leserfrage, die uns kürzlich erreichte. Unsere Antwort: Im Eigenheim teilweise, bei einer Mietimmobilie sogar vollständig.

 meineimmobilie.de-Tipp

Einen unabhängigen Sachverständigen finden Sie über Verbraucherzentralen, Bauherren- und Eigentümerverbände. Wichtig ist, dass der Experte unabhängig prüft und nicht im Interesse der Baufirma handelt.