Montag, 07.10.2013 | Autor: Heidi Hecht, Foto: © Tom-Hanisch - Fotolia.com

Risiko Schwarzarbeit: Was Sie als Auftraggeber wissen müssen

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Worum geht´s
  • Schwarzarbeit mit Folgen
  • Keine Gewährleistungsansprüche für Bauherren
  • Handwerker schwarz bezahlen

Steuern zahlt keiner gern. Auch nicht Umsatzsteuer. Und weil Handwerk bekanntlich goldenen Boden hat, versucht man hier gern mal über Schwarzarbeit ein wenig Geld für den ohnehin teuren Bau zu sparen. Dass so ein "Schwarzgeschäft" aber schnell mal vor Gericht enden und sich am Ende doch als Milchmädchenrechnung entpuppen kann, wissen die wenigsten.

Obwohl Schwarzarbeit gesetzlich verboten ist, kommt es im Baugewerbe häufig zu illegaler Beschäftigung und für den Staat zu erheblichem volkswirtschaftlichem Schaden.

Auch für Sie als Auftraggeber kann so ein Schwarzgeschäft richtig teuer werden, denn Sie haben bei einer "Ohne-Rechnung-Abrede" keine Gewährleistungsansprüche an den Auftragnehmer.

"Schwarzgeschäfte" sind nichtig und strafbar 

Denn: Eine Schadensersatzforderung fällt bei einem Verstoß gegen das Gesetz zur Bekämpfung der Schwarzarbeit auch dann weg, wenn der Auftragnehmer schlecht gearbeitet hat. Der abgeschlossene Vertrag - also das Schwarzgeschäft - ist dann nichtig.

Verstöße gegen steuerrechtliche Pflichten führen bereits ohne Weiteres zur Nichtigkeit des gesamten zugrunde liegenden Werkvertrags (BGH, Urteil v. 1.8.2013, VII ZR 6/13).

Gewährleistung trotz "Ohne-Rechnung-Abrede"? Ja das geht

Eine absolute Ausnahme zu diesem aktuellen Urteil bilden zwei etwas ältere Urteile, die allerdings ausdrücklich vom BGH noch als wirksam erklärt wurden.

In diesen beiden Fällen gab der BGH den Auftraggebern Recht, die in einem Bauvertrag eine "Ohne-Rechnung-Abrede" drin stehen hatten (Az.: VII ZR 42/07 und VII ZR 140/07). Im ersten Fall forderte ein Ehepaar 30.000 Euro von einem Ingenieur, der durch falsche Platzierung des Hauses umfangreiche Umbaumaßnahmen zu verantworten hatte.

Im zweiten Fall hielt ein durch den beklagten Handwerker abgedichteter Terrassenbelag eindringendem Wasser nicht stand, sodass eine darunter befindliche Wohnung Schaden nahm.

Pfusch mit Folgen: Wer den Folgeschaden zahlen muss

Beide Male verursachte der Pfusch erhebliche Folgekosten. Mit den Urteilen erhielten beide Bauherren die Möglichkeit, ihre Gewährleistungsansprüche auch gegen Schwarzarbeiter durchzusetzen.

Eine Garantie für erfolgreiche Gerichtsverhandlungen bieten diese beiden Urteile allerdings nicht, weshalb Haus- und Grundbesitzervereinigungen generell von der verbotenen "Schwarzarbeiter-Praxis" abraten.

Zumal Ihnen als Bauherr bei einer Kontrolle am Bau hohe Geldstrafen drohen und weitere Folgen, wenn Ihre Steuer- und Sozialabgabenhinterziehung aufgedeckt wird.

Kommentare (1)

9.10.2013, 16:42 Uhr von Matulla Profil ansehen
Da wird doch bei Schwarzarbeit von den Richtern mit zweierlei Mass gemessen. Wie gesagt: "Vor Gericht und au fhocher See ist mann in Gottes Hand.
Unternehmerisch tätige Auftraggeber von Bauleistungen sind verpflichtet, 15 Prozent des Rechnungsbetrages als Bauabzugsteuer einzubehalten und an das Finanzamt abzuführen. Private Bauherren betrifft das gelegentlich auch.
Die Einsicht, dass gute Handwerksarbeit eine hohe Garantie für preiswerte und nachhaltige Leistung ist, wächst unter Bauherren und Modernisierern deutlich. Denn immer mehr deutsche Immobilieneigentümer stufen Schwarzarbeit als kriminelles Vergehen ein.
Jeder 5. Haushalt lässt schwarzarbeiten. Das geht aus dem Haushaltsreport der Minijob-Zentrale hervor. Und auch das zeigt die neuste Auswertung: Je reicher umso schneller sind Gewissenshürden überwunden - aber wussten wir das nicht schon seit Klaus Zumwinkel? Wer tatsächlich ein schlechtes Gewissen und wer nicht, lesen Sie hier
Wer etwas riskiert muss damit rechnen, dass er am Ende schlimmstenfalls alles verliert. So beispielsweise, wenn am Finanzamt vorbei Steuern sparen wollen und einen Handwerker „schwarz“ beschäftigen. Läuft dann was schief, hilft Ihnen kein Gericht. Schlimmer noch: Sie bekommen obendrein noch Ärger mit dem Finanzamt!

 meineimmobilie.de-Tipp

Wer von Schwarzarbeit profitiert, hat normalerweise keinen Anspruch auf Gewährleistung, wenn der Handwerker pfuscht.

Wer dennoch vor Gericht zieht, schießt sich schnell mal ein Eigentor, denn die Zivilrichter sind gehalten, die zuständigen Behörden zu informieren, wenn ihnen Straftaten wie Steuer- und Sozialabgabenhinterziehung bekannt werden.