Montag, 21.10.2013 | Autor: Peter Bachmann

Jetzt ist Thermografie-Saison

Worum geht´s

Ein Termografie-Gutachten hilft dabei, die undichten Stellen an einem Haus zu entdecken. Das ist wichtig, denn solche Stellen sind Ursache für Energieverlust und Schimmel.

Topstory: Im Herbst und Winter ist wieder Thermografie-Saison, weil es für die notwendigen Messungen kalt genug ist. Jetzt ist es Zeit, per Infrarot festzustellen, wo durch undichte Stellen am Haus Wärme entweicht. Doch bei der Wahl des Gutachters ist Vorsicht geboten, denn auch unseriöse Anbieter haben Hochkonjunktur.

Bei der Immobilie kann Thermografie Lücken in der Dämmung und schlechte Isolation sichtbar machen. Jeder Gegenstand, jede Oberfläche oberhalb des absoluten Nullpunkts strahlt Wärme ab, die in Form von elektromagnetischen Strahlen im Infrarotbereich abgegeben wird. Diese lassen sich mit einer Infrarotkamera fotografieren. So entstehen Bilder, die die Temperaturen der abgestrahlten Wärmeenergie in unterschiedlichen Farben wiedergeben. Sie steigen von blau nach rot an: blau ist kalt, rot ist warm.

Kriterien einer guten Thermografiemessung

Draußen muss es kalt sein, damit sichtbar wird, wo Wärme aus einem Haus entweicht. Wie groß aber die Unterschiede zwischen Innen- und Außentemperatur exakt sein müssen, darüber gibt es verschiedene Meinungen. Der Bundesverband für Angewandte Thermografie (VATh) spricht von 15 Grad Kelvin Unterschied (etwa 20 Grad Celsius innen, mindestens fünf Grad Celsius außen). Die Verbraucherzentrale Hamburg nennt als Voraussetzung eine Temperaturdifferenz von mindestens zehn Grad Kelvin (zum Beispiel 18 Grad Celsius innen, mindestens 8 Grad Celsius außen).

Weitere Kriterien sind:

  • Sonneneinstrahlung. Die Messung sollte zwölf Stunden nach Sonneneinstrahlung stattfinden.
  • Windstille. Auch der Wind hat entscheidenden Einfluss und sollte berücksichtigt werden. Am besten sollte Windstille herrschen.

 

Billiganbieter, so der VATh, legen in sogenannten Thermografie-Aktionen oft Wochen im Voraus mehrere Termine fest, die nahe beieinander liegen. Wie dann das Wetter beim Termin ist, bleibt dem Zufall überlassen.

Gegner einer schnellen Thermografie stimmen darin überein, dass thermografische Außenaufnahmen nur ein Bestandteil einer Dämmungsanalyse sind und von einer genauen Untersuchung - inklusive Begehung - der betreffenden Innenräume begleitet werden sollten. Sönke Krüll vom VATh: "Nur durch Kombination von Innen- und Außenthermografie, verbunden mit der Kontrolle messtechnisch relevanter Rahmenbedingungen, sind nahezu alle Baumängel quantitativ zu erfassen."

Auch die Innenbegehung sollte mit Fotos oder Videos dokumentiert werden. Wände, an denen Wärme durch sogenannte Wärmebrücken entweicht, sollten auf Feuchtigkeit und Schimmel untersucht werden.

Allerdings gibt es auch Stimmen, die davor warnen, die sogenannten Thermografie-Aktionen grundsätzlich zu verdammen. Sie könnten Augenöffner und erster Schritt sein, so die Fachzeitschrift "Der Gebäude-Energieberater". Dazu sei es allerdings notwendig, dass sie "fachgerecht interpretiert" würden, nur dann könnten sie dazu führen, dass der Kunde "sich eingehend beraten lässt".

Kosten einer Thermografie-Aufnahme

Ein Angebot von unter 100 Euro für ein Einfamilienhaus, so Sönke Krüll vom VATh, sei bedenklich, weil in den meisten Fällen schnell, ohne Rücksicht auf die Witterung, und ohne die nötige Auswertung gearbeitet werde. Ähnlich äußert sich Johannes Deeters vom Verband Privater Bauherren. "Solche Aufnahmen taugen nur für den Bilderrahmen", kritisiert er. Gleichzeitig warnt Deeters vor der Gefahr von Farbmanipulationen, die schwarze Schafe der Thermografiebranche eventuell an den Bildern machen könnten, um ahnungslose Hausbesitzer zu überflüssigen Maßnahmen zu bewegen: "Damit suggerieren sie dann dem Hausbesitzer, er habe eine extrem schlecht gedämmt Fassade, die dringend gedämmt werden müsse."

Der genaue Kostenrahmen hängt von verschiedenen Bedingungen, etwa der Größe des Hauses und der Komplexität der Fassade, ab. Deeters nennt eine Ausgangsbasis von 500 bis 600 Euro für ein Einfamilienhaus; die rheinland-pfälzische Energieagentur spricht von einem Kostenrahmen von 500 bis 1.000 Euro für ein Einfamilien- oder ein kleines Mehrfamilienhaus.

Kommentare (1)

3.11.2010, 17:50 Uhr von ohrwell Profil ansehen
Ich finde den Artikel mit den Tipps, wo ich mich weiter erkundigen kann, wichtig. Neulich hatte die ENBW ein Angebot Themographie für unter 100 €- aber ich habe nie wieder was von denen gehört!

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