Montag, 04.04.2011 | Autor: Helmut Aschenbrenner/Ulrike Gantert/mb

Baumängel bei Brandschutz und Standsicherheit

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Bauherren sollten unbedingt darauf achten, dass ihr Haus gemäß den geltenden Brandschutzbestimmungen gebaut wird und dass es standsicher ist. Baumängel in diesen Punkten könnten lebensbedrohlich sein. Im Zweifel helfen Sachverständige.

Der bauliche Brandschutz einschließlich Flucht- und Rettungswege (beim Einfamilienhaus fast immer ohne zusätzliche Maßnahmen lösbar) stellt eine ausgesprochen komplexe und vielschichtige Materie dar. Nicht umsonst beschäftigt sich mit diesem Spezialgebiet ein ganzer Berufsstand - die Brandschutzsachverständigen.

Da es neben dem Personenschutz auch um den Schutz hoher Sachwerte geht, stehen die Belange des baulichen Brandschutzes neben der Standsicherheit ganz oben auf der Forderungsliste der Landesbauordnungen.

Brandschutznachweis ist Pflicht

Der sogenannte Brandschutznachweis - auch der des Einfamilienhauses - gehört zum Pflichtprogramm einer jeden Genehmigungsplanung. Die verschiedenen Landesbauordnungen verlangen darüber hinaus oft das Erstellen eines Brandschutzkonzeptes durch einen zugelassenen Sachverständigen für Brandschutz.

Nun soll das Thema in diesem Rahmen nicht unnötig strapaziert werden, da die brandschutztechnischen Anforderungen an ein Einfamilienhaus, das meist in Gebäudeklasse I (Gebäude bis sieben Meter zur höchsten Nutzebene über Oberkante Gelände) eingeordnet wird, gering sind und durch die meisten Baustoffe und üblichen Konstruktionen ohnehin erfüllt werden.

Sonderfälle für baulichen Brandschutz

Es gibt jedoch einige Sonderfälle, insbesondere in dicht bebauten Strukturen sowie bei Grenzbebauungen, bei denen der bauliche Brandschutz eine entscheidende Rolle spielt und bei der Planung zwingend berücksichtigt werden muss. Es handelt sich um die Berücksichtigung von

  • Brandabschnitten (zum Beispiel bei Reihenhausbebauungen mit in der Regel maximal 40 Metern),
  • Brandüberschlägen (zum Beispiel bei sehr engen Bebauungen von in der Regel maximal vier Metern),
  • teilgewerblichen Nutzungen oder angrenzendem Gewerbe mit entsprechender Abschottung,
  • Ablagerung von brennbaren oder explosiven Stoffen mit entsprechender Abschottung.

Fehlender Standsicherheitsnachweis

Mit dem Standsicherheitsnachweis wird in der Regel der Nachweis verbunden, dass das Gebäude stabil steht, also nicht in sich zusammenfallen kann. An diesen Extremfall und Supergau muss noch nicht mal gedacht werden. Problematisch ist es schon, wenn ein Gebäude, ohne optisch sichtbare Mängel zu zeigen, die entsprechenden Anforderungen an die Standsicherheit nicht erfüllt.

Der Standsicherheitsnachweis enthält folgende Maßgaben zur rechnerischen Bemessung aller tragenden Bauteile unter Berücksichtigung

  • des Standortes,
  • des Baugrundes,
  • des Bestandes,
  • der Anforderungen an den Brandschutz,
  • der Anforderungen an den Schallschutz,
  • der Anforderungen an den Wärmeschutz,
  • der Verwendung zugelassener Baustoffe und Konstruktionen,
  • eines Sicherheitsfaktors,
  • der Nutzung und der daraus resultierenden Verkehrslasten.

Aussteifungen und Abstützungen

Die notwendige Planung von Bauzuständen ist nicht nur beim Bauen im Bestand, sondern auch bei statisch komplizierten Vorhaben ein äußerst wichtiges Thema.

Sie erfolgt in der Regel durch interimsmäßige Aussteifungen und Abstützungen wie beispielsweise die Hangsicherung bei Gebäuden oder die Abstützung und Unterfangung von Nachbargebäuden bei Anbauten. Hierfür sind nicht nur zusätzliche finanzielle Mittel, sondern auch entsprechende Planungen erforderlich.

Das Vorliegen eines vollständigen Standsicherheitsnachweises einschließlich aller hierfür erforderlichen Unterlagen ist zwingende Voraussetzung für ein genehmigungsfähiges und im Übrigen mangelfreies und kostenoptimiertes Bauwerk.

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Ulrike Gantert ist Fachanwältin für Bau- und Architektenrecht sowie Schlichterin/Schiedsrichterin für Baustreitigkeiten. Sie ist in einer Münchener Baurechtskanzlei tätig und Mitglied der ARGE Bau- und ...
Ulrike Gantert