Donnerstag, 25.11.2010 | Autor: mb

Baumängel aufspüren mit Thermografie

News: Ein neues Haus sollte möglichst energiesparend gebaut sein, das schreibt der Gesetzgeber vor. Und auch der Eigentümer muss ein Interesse haben, möglichst niedrige Energiekosten zu haben. Wenn jedoch durch Baufehler die Fenster und Türen undicht sind, zahlt der Eigentümer doppelt. Der Bauherrenverband rät deshalb zu einem Thermografietest.

Wer ein neues Haus bauen lässt, muss die strengen gesetzlichen Vorschriften der Energieeinsparverordnung (EnEV) beachten. Nach dem Willen des Gesetzgebers sollen neue Gebäude so beschaffen sein, dass möglichst wenig Energie nach außen entweichen kann. Auch der Hauseigentümer hat ein Interesse daran: Er möchte seine Energiekosten langfristig auf möglichst niedrigem Niveau halten. Doch leider erfüllen viele Neubauten nicht die gewünschten Anforderungen. Wie der Verband Privater Bauherren (VPB) laut eigener Pressemitteilung herausgefunden hat, haben mehr als 70 Prozent aller Neubauten energetische Mängel. Schuld daran seien sowohl Planungsfehler als auch Pfusch durch Handwerker. Der Verband empfiehlt Bauherren, die Qualität der Bauleistungen nach Fertigstellung des Gebäudes durch einen Sachverständigen überprüfen zu lassen.

Tests offenbaren Schwachstellen und Baumängel

Um die Schwachstellen am Gebäude zu zeigen und Baumängel zu entlarven, greifen die Experten auf zwei bewährte Methoden zurück: Thermografie-Aufnahmen und den sogenannten Blower-Door-Test. "Diese Verfahren sind inzwischen technischer Standard und werden auch von Gerichten anerkannt", erläutert Johannes Deeters, Bausachverständiger beim VPB. Der Blower-Door-Test werde derzeit allerdings nur bei etwa der Hälfte der Neubauten durchgeführt. Und nicht einmal ein Fünftel aller Häuser werde vor Bezug mit der Thermografie auf Energielecks überprüft, so der Verband.

Unabhängigen Experten für Tests beauftragen

"Die Untersuchungen zur Qualitätskontrolle sollten weder vom Schlüsselfertiganbieter selbst noch von einem von ihm gestellten Thermografen gemacht werden, sondern unbedingt von unabhängigen Experten, die auch ein Interesse daran haben, eventuelle Mängel wirklich aufzudecken", mahnt der Bauherrenberater und fügt hinzu: "Außerdem muss jeder Käufer die Ergebnisse seiner Immobilie auch ausgehändigt bekommen." Beides sei nach VPB-Erfahrung aber nur selten der Fall. Deshalb sollte sich, wer schlüsselfertig baut oder kauft, die unabhängige, abschließende Qualitätskontrolle mit Blower-Door-Test und Thermografie unbedingt schriftlich im Vertrag zusichern lassen, rät Bauexperte Deeters.

Nachbesserung bei Baumängeln

Wenn Mängel auftreten, sollte der Bauherr auf jeden Fall Nachbesserung fordern. "Der Erfolg unserer gesamten Energieeinsparverordnung basiert auf optimaler Dämmung und größtmöglicher Luftdichtigkeit bei jedem Neubau", so Deeters. "Wird bei der Bauausführung nicht sehr sorgfältig gearbeitet, bekommt der Bauherr kein modernes Energiesparhaus, sondern eine Energieschleuder. Das sollte er im eigenen Interesse verhindern."

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 meineimmobilie.de-Tipp


Thermografie-Aufnahmen sollten Sie grundsätzlich nur von ausgewiesenen Experten durchführen lassen. Leider werden solche Wärmebilder auch von unseriösen Anbietern mit Billigpreisen beworben. Wenden Sie sich an einen der großen Bauherrenverbände, um Adressen anerkannter Fachleute zu bekommen.